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KI Agenten bauen: 4 Ansätze für moderne AI Agents

KI-Agenten sind derzeit in aller Munde. Richtig eingesetzt, ermöglichen sie erhebliche Effizienzsteigerungen und spürbare Kostenreduktionen. Bislang profitieren davon jedoch vor allem DAX-Unternehmen mit großen Daten- und KI-Abteilungen. Dabei ist der Einstieg häufig erstaunlich einfach: Einige Klicks in einer Benutzeroberfläche genügen, und der erste Agent ist einsatzbereit. Doch wie steht es anschließend um Skalierung, Wartbarkeit und die kontinuierliche Weiterentwicklung?

In diesem Artikel stellen wir 4 Ansätze zur Entwicklung von KI Agenten vor. Solltest du eher daran interessiert sein was ein KI Agent überhaupt ist, lies den Artikel Was ist ein KI Agent?.

1. No-Code Plattformen

Der einfachste Einstieg in die Welt der KI-Agenten gelingt über No-/Low-Code-Plattformen. Häufig lassen sich Agenten direkt über eine Konfigurationsmaske oder sogar über eine Chatoberfläche einrichten. Dabei werden dem Agenten Persönlichkeitsmerkmale — die sogenannte Persona — sowie einfache Integrationen, wie z.B. Leserechte auf ein SharePoint und ein LLM-Modell zugewiesen. In der Regel wird festgelegt, wie der Agent antwortet, auf welche Informationen er zugreifen kann und welches Modell im Hintergrund verwendet wird. Oft ist zudem die Anbindung von MCP-Servern und weiteren Funktionsschnittstellen möglich. Das Ergebnis ist deine eigene kleine Chat-Oberfläche, ganz ähnlich wie bei ChatGPT.

copilot screenshot
Quelle: https://learn.microsoft.com/de-de/microsoft-copilot-studio/media/fundamentals-get-started/home-page.png
Microsoft Copilot Studio unterstützt das Erstellen von Agenten durch Chatten und beinhaltet auch einen Workflow-Builder.

Erste Grenzen zeigen sich jedoch relativ schnell in puncto Funktionsumfang und praktischer Einsetzbarkeit. KI-Agenten können zwar einfache Aufgaben ad hoc, also auf direkten Abruf hin, zuverlässig erledigen. Sie sind in der Lage, Informationen zusammenzufassen, Inhalte zu klassifizieren, Daten aus Texten zu extrahieren oder bestimmte Arbeitsschritte anhand einer klar formulierten Anweisung auszuführen. Diese Fähigkeiten wirken auf den ersten Blick sehr leistungsstark, sind in vielen Fällen aber noch stark davon abhängig, dass ein Mensch den jeweiligen Prozess aktiv anstößt. Das bedeutet: Ich muss dem Agenten im Chatfenster bewusst eine Aufgabe erteilen, ihm die notwendigen Informationen bereitstellen und gegebenenfalls auch erklären, was genau mit diesen Informationen geschehen soll. Schreibe ich dem Agenten nicht, tut er in der Regel auch nichts. Er wartet passiv auf eine Eingabe und beginnt erst dann mit der Bearbeitung, wenn eine konkrete Aufforderung erfolgt.

Genau hier entsteht eine wichtige Einschränkung: Von echter Automatisierung kann in einem solchen Szenario kaum die Rede sein. Der Agent unterstützt zwar bei der Ausführung einzelner Aufgaben, übernimmt aber nicht eigenständig die Überwachung, Priorisierung oder kontinuierliche Bearbeitung eines Prozesses. Er verhält sich eher wie ein intelligentes Werkzeug, das auf Kommando reagiert, nicht jedoch wie ein vollständig autonomes System, das selbstständig erkennt, wann Handlungsbedarf besteht.

Ein anschauliches Beispiel ist die Extraktion von Kundendaten aus Supportanfragen. Unternehmen erhalten täglich zahlreiche E-Mails, Chats oder Tickets mit Informationen wie Namen, Kundennummern, Vertragsdaten, Produktbezeichnungen, Fehlerbeschreibungen oder Dringlichkeitsstufen. Ein KI-Agent kann solche Angaben aus Texten herauslesen, strukturieren und etwa in eine Tabelle oder ein CRM-System übertragen. Bei einem rein chatbasierten Einsatz müsste jedoch jede Anfrage manuell an den Agenten übergeben werden: Eine Person öffnet die Nachricht, kopiert den Inhalt, fügt ihn in den Chat ein und fordert die Extraktion an. Der Agent kann anschließend den Text analysieren, relevante Daten identifizieren, sie formatieren und bei Unklarheiten Rückfragen formulieren. Dennoch bleibt er darauf angewiesen, dass jede Aufgabe einzeln gestartet wird. Gerade bei wiederkehrenden, volumenstarken Prozessen entsteht dadurch erheblicher manueller Aufwand. Echte Automatisierung erfordert eine tiefere Systemintegration: Der Agent müsste neue Tickets selbst erkennen, abrufen, Daten extrahieren, validieren und an Folgesysteme übergeben. Erst dann agiert er eigenständig im Workflow statt nur auf Zuruf.

Außerdem beschränken sich die Antworten häufig auf rein textbasierte Ausgaben. Die Ergebnisse werden nicht automatisch in bestehende Systeme zurückgeschrieben, sodass weiterhin manueller Aufwand erforderlich bleibt. Bezogen auf unser Support-Beispiel bedeutet das: Die extrahierten Kundendaten werden nicht automatisch in das CRM- und Ticketmanagement-System übertragen.

Auch wenn einzelne Zwischenschritte erforderlich sind – beispielsweise die Authentifizierung bei einem Drittsystem, für das keine Integration besteht –, ist ein solcher KI-Agent nicht in der Lage, mit diesem System zu kommunizieren. Eine Eigenentwicklung ist häufig ebenfalls nicht möglich, da die Anbieter dieser No-Code-Plattformen ihre Nutzer bewusst an die eigene Produktpalette binden möchten.

Schließlich sind KI-Agenten, die auf No-Code-Plattformen erstellt werden, häufig nur eingeschränkt wartbar. Treten während der Ausführung Fehler auf, lassen sich diese oft nur unzureichend nachvollziehen – insbesondere im Kontext von Debugging und Tracing. Sind zudem mehrere Personen an der Entwicklung einer solchen Plattform beteiligt, fehlt häufig eine saubere Versionierung, mit der sich einzelne Beiträge eindeutig zuordnen und Änderungen gezielt bewerten lassen. Die Entwicklung komplexer Systeme ist unter diesen Bedingungen nur eingeschränkt zukunftssicher möglich.

Vorstellung: No-Code Plattformen

No-Code Plattformen ermöglichen die Erstellung von KI Agenten ohne jegliche Programmier- oder IT-Erfahrung. Du öffnest eine Webseite und klickst dich durch Konfigurationsmöglichkeiten.

Zielgruppe

Fachabteilungen, KMU, Citizen Developer

Typische Tools

Copilot Studio, Azure AI Foundry, Vertex AI Agent Builder

Stärken
  • Sehr schneller Einstieg
  • Viele fertige Integrationen
  • Schnelle Prototypen und erste Ergebnisse
  • Geringer Entwicklungsaufwand
Grenzen
  • Starker Vendor Lock-in
  • begrenzte Individualisierung
  • schlechte Wart- und Erweiterbarkeit bei wachsenden Anforderungen
  • komplexe Agenten und Geschäftslogik nur eingeschränkt möglich
  • vollautomatisierte Prozesse häufig nur begrenzt umsetzbar
Fazit

Ideal für erste Pilotprojekte, interne Assistenten und einfache Automatisierungen. Sobald individuelle Geschäftsprozesse, hohe Skalierbarkeit oder langfristige Wartbarkeit gefragt sind, stoßen No-Code-Plattformen schnell an ihre Grenzen. Für komplexe, individuelle Systeme weniger geeignet.

2. Workflow Orchestrierung

Workflow-Orchestrierung stammt ursprünglich aus dem No-Code-Bereich und verfolgt das Ziel, technische Abläufe so zugänglich wie möglich zu machen. Durch das Aneinanderreihen einzelner Bausteine, vorgefertigter Verbindungselemente und klar definierter Aktionen können auch Personen mit mittlerem technischem Verständnis komplexe Prozesse als Workflow abbilden, ohne dafür klassischen Programmcode schreiben zu müssen. Statt eine Anwendung Zeile für Zeile zu entwickeln, werden einzelne Schritte visuell miteinander verbunden und in eine logische Reihenfolge gebracht.

Diese Abläufe werden in der Regel als sogenannter gerichteter Graph dargestellt. Dabei repräsentieren die einzelnen Knoten bestimmte Aufgaben, Entscheidungen oder Ereignisse, während die Kanten die Richtung des Prozessflusses vorgeben. Auf diese Weise lässt sich nachvollziehen, welcher Schritt nach welchem Ereignis ausgeführt wird und unter welchen Bedingungen ein bestimmter Pfad innerhalb des Workflows eingeschlagen wird. Besonders hilfreich ist diese Darstellung, weil sie sowohl technische als auch fachliche Zusammenhänge sichtbar macht und dadurch die Kommunikation zwischen Entwicklung, Betrieb und Fachabteilungen erleichtert.

n8n Workflow
Quelle: https://imagedelivery.net/LqiWLm-3MGbYHtFuUbcBtA/wp-content/uploads/sites/29/2026/01/socialmediareportingworkflow.png/w=1024,h=1024,fit=scale-down
Workflows lassen sich in n8n über einen gerichteten Graphen abbilden. Jeder Knoten beschreibt eine Aufgabe, Entscheidung oder ein Ereignis.

Ein typisches Beispiel ist ein automatisierter Bestellprozess in einem Unternehmen. Sobald eine neue Bestellung eingeht, wird zunächst geprüft, ob alle erforderlichen Kundendaten vollständig vorliegen. Anschließend kann der Workflow automatisch den Lagerbestand abfragen, eine Rechnung erstellen, eine Versandbenachrichtigung vorbereiten und bei Bedarf eine E-Mail an den Kunden versenden. Ist ein Produkt nicht verfügbar, kann der Prozess alternativ eine Benachrichtigung an den Einkauf auslösen oder den Kunden über eine mögliche Verzögerung informieren. Durch diese strukturierte Orchestrierung lassen sich wiederkehrende Aufgaben standardisieren, Fehler reduzieren und Bearbeitungszeiten deutlich verkürzen. Der Agent arbeitet dabei kontinuierlich im Hintergrund weiter – zuverlässig, automatisiert und ohne Unterbrechung.

Wie lässt sich KI nun in den Workflow integrieren? Die meisten modernen Workflow-Orchestrierungstools bieten mittlerweile native Komponenten zur Entwicklung von KI-Agenten. So kann beispielsweise ein Baustein für einen Agenten eingesetzt werden, der einen Web-Crawler steuert und die extrahierten Informationen anschließend in einer SQL-Datenbank speichert. Die Implementierungsmöglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt.

Typische Grenzen werden mit zunehmender Komplexität sichtbar: Sämtliche Unternehmensprozesse in einem einzigen Workflow abzubilden, ist kaum praktikabel. Werden mehrere Workflows miteinander verknüpft, entsteht schnell ein schwer überschaubares Geflecht. Fällt ein einzelner Workflow aus, kann daraus ein unternehmensweites Risiko entstehen. Solche Ausfälle bleiben häufig unbemerkt und haben gravierende Folgen, da nachgelagerte Workflows anschließend entweder gar nicht oder auf Basis fehlerhafter Daten weiterarbeiten.

Monitoring- und Logging-Lösungen, also Software zur Überwachung des Produktivsystems und zur Fehlerdiagnose, sind meist nur rudimentär oder gar nicht verfügbar. Externe Systeme, die über einzelne Workflows hinaus auf einer Metaebene agieren, lassen sich nur selten integrieren. Dadurch entspricht die Entwicklung solcher Workflows mit zunehmender Komplexität nahezu nie etablierten Softwarestandards.

Vorstellung: Workflow Orchestrierung

Workflow Orchestrierungsplattformen wurden ursprünglich nicht für KI-Agenten entwickelt, sondern für die Automatisierung klassischer Geschäftsprozesse. Durch die Integration von LLMs können sie heute jedoch als Steuerzentrale für KI-gestützte Workflows eingesetzt werden. Dabei verbinden sie verschiedene Systeme, APIs und KI-Modelle miteinander und ermöglichen automatisierte Prozessabläufe.

Zielgruppe
  • KMU
  • Prozessverantwortliche
  • Automatisierungs- und IT-Teams
  • Unternehmen mit vielen manuellen Abläufen
Typische Tools

n8n, Make, Zapier, Power Automate

Stärken
  • Sehr viele fertige Integrationen zu bestehenden Systemen
  • Ideal zur Automatisierung von Geschäftsprozessen
  • Schnelle Umsetzung ohne große Entwicklungsprojekte
  • Transparente visuelle Abläufe
  • Gute Kombination aus KI und klassischen Automatisierungen
Grenzen
  • Komplexe Entscheidungslogik wird schnell unübersichtlich
  • Wartbarkeit sinkt bei großen Workflows
  • Debugging und Testing komplexer Szenarien schwierig
  • Fehlende klassische Softwareentwicklungsprozesse: Versionskontrolle, Code Reviews und standardisierte Dev-Test-Prod-Umgebungen sind oft nur eingeschränkt verfügbar
Fazit

Workflow-Plattformen sind eine sehr gute Lösung, um KI in bestehende Geschäftsprozesse einzubinden und repetitive Aufgaben zu automatisieren. Sie eignen sich besonders für klar definierte Abläufe mit einzelnen KI-Schritten. Für komplexe, autonome Agenten mit eigener Entscheidungslogik sind spezialisierte Agenten-Frameworks jedoch besser geeignet.

3. Visuelle Agenten Frameworks

Visuelle Agenten-Frameworks weisen häufig eine enge Verwandtschaft zur Workflow-Orchestrierung auf, da auch sie darauf ausgerichtet sind, komplexe Abläufe strukturiert zu modellieren und technisch ausführbar zu machen. In vielen Fällen kommen dafür grafische Benutzeroberflächen zum Einsatz, über die sich gerichtete Graphen erstellen lassen. Einzelne Knoten repräsentieren dabei beispielsweise Eingaben, Verarbeitungsschritte, Entscheidungen, API-Aufrufe oder Systemantworten, während die Kanten definieren, in welcher Reihenfolge und unter welchen Bedingungen diese Schritte ausgeführt werden.

Für fachliche Anwenderinnen und Anwender bietet dies einen erheblichen Mehrwert: Prozesse müssen nicht ausschließlich in Code beschrieben werden, sondern lassen sich visuell nachvollziehen und häufig per Drag-and-drop anpassen. Darüber hinaus ermöglichen solche Frameworks oft eine einfache Interaktion mehrerer Agenten in sogenannten Multi-Agenten-Systemen (MAS). Dadurch erweitert sich das Spektrum potenzieller Anwendungsbereiche deutlich.

Im Unterschied zu klassischen Workflow-Orchestrierungswerkzeugen ist die Integration mit KI-Tools und den dafür nützlichen Funktionalitäten bei visuellen Agenten-Frameworks jedoch meist deutlich besser ausgestaltet. Solche Systeme bringen häufig bereits Bausteine für Sprachmodelle, Prompt-Management, Intent-Erkennung, Kontextverwaltung, Wissensdatenbanken, Tool-Nutzung und die Anbindung externer Schnittstellen mit. Dadurch lassen sich KI-Agenten nicht nur als einzelne isolierte Komponenten einsetzen, sondern direkt in Dialogflüsse, Entscheidungslogiken und Geschäftsprozesse einbetten. Besonders im Bereich von Conversational AI, also bei Chatbots und Voice Bots, wird dieser Vorteil deutlich, da hier viele technische Bestandteile ineinandergreifen müssen: Spracherkennung, Sprachsynthese, Dialogsteuerung, Nutzerkontext, Fehlerbehandlun und die Übergabe an menschliche Mitarbeitende.

Auf Plattformen wie Cognigy ist es beispielsweise mit wenigen Klicks möglich, einen Voice Bot zu erstellen, der Kundenanfragen annimmt, einordnet und darauf reagiert. Das Voice Gateway, also die Softwarekomponente, die die Stimme des Anrufers aufzeichnet, in Text umwandelt und anschließend an den KI-Agenten weitergibt, ist in solchen Plattformen häufig bereits integriert. Ebenso können Funktionen wie Text-to-Speech, also die Rückumwandlung der Antwort in gesprochene Sprache, oder die Anbindung an Telefonie-Systeme bereits vorbereitet sein. Dadurch müssen Entwicklerinnen und Entwickler nicht bei jeder Anwendung die gesamte technische Infrastruktur neu aufbauen, sondern können sich stärker auf die Gestaltung des Dialogs, die Auswahl des passenden Sprachmodells und die Integration relevanter Unternehmensdaten konzentrieren. In der Praxis bedeutet das, dass ein Unternehmen relativ schnell einen ersten Prototypen erstellen kann, der Anrufe entgegennimmt, einfache Kundenanfragen beantwortet oder Informationen aus internen Systemen abruft.

Gleichzeitig ergeben sich bei solchen Plattformen ähnliche Grenzen wie bei der Workflow-Orchestrierung. Zwar lassen sich einzelne Flows oder Dialogstrecken oft sehr komfortabel erstellen, testen und veröffentlichen, doch komplexere Anforderungen stoßen schnell an strukturelle Grenzen. Insbesondere Integrationen auf der Meta-Ebene, also über mehrere Flows, Agenten oder Anwendungen hinweg, sind oftmals kaum möglich oder nur mit erheblichem Zusatzaufwand realisierbar. Wenn beispielsweise mehrere KI-Agenten miteinander koordiniert werden sollen, globale Regeln für alle Dialoge gelten müssen oder ein zentrales Monitoring über verschiedene Projekte hinweg erforderlich ist, hängt die Umsetzbarkeit stark von den Möglichkeiten der jeweiligen Plattform ab. Häufig ist man dabei eng an den Entwickler oder Anbieter der Plattform gebunden, sodass Erweiterungen, Anpassungen und tiefere Integrationen nur innerhalb des vorgesehenen Ökosystems möglich sind.

Diese Abhängigkeit kann langfristig zu einem relevanten Risiko werden. Wer eine solche Plattform intensiv nutzt, ist oft nicht nur auf deren technische Funktionen angewiesen, sondern auch auf deren Preismodell, Release-Zyklen, Sicherheitskonzepte und Produktstrategie. Werden bestimmte Features nur in höheren Lizenzstufen angeboten oder ändern sich die Kosten für Sprachmodelle, Telefonie-Integration oder zusätzliche Nutzerkonten, kann dies direkte Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Betrieb haben. Außerdem kann ein Wechsel zu einer anderen Lösung schwierig werden, wenn Flows, Prompts, Schnittstellen und Konfigurationen stark proprietär umgesetzt wurden und sich nicht ohne Weiteres exportieren oder in eine andere Umgebung übertragen lassen.

Auch im Hinblick auf Wartbarkeit und standardisierte Entwicklung ergeben sich dadurch Probleme. Visuelle Oberflächen erleichtern zwar den Einstieg, führen aber bei größeren Projekten häufig zu unübersichtlichen Strukturen, wenn keine klaren Entwicklungsstandards definiert werden. Flows können mit der Zeit wachsen, sich verzweigen und an verschiedenen Stellen ähnliche Logiken enthalten, was die Fehlersuche und Weiterentwicklung erschwert. Versionierung, automatisierte Tests, Code Reviews oder eine saubere Trennung zwischen Entwicklungs-, Test- und Produktionsumgebung sind nicht in allen Plattformen gleich gut unterstützt. Dadurch entsteht die Gefahr, dass Systeme zwar schnell gebaut werden können, langfristig aber schwer zu pflegen, zu dokumentieren und kontrolliert weiterzuentwickeln sind.

Insgesamt bieten visuelle Agenten-Frameworks daher einen großen praktischen Nutzen, insbesondere wenn schnell KI-gestützte Dialogsysteme, Chatbots oder Voice Bots realisiert werden sollen. Sie senken die Einstiegshürde, bündeln viele notwendige Komponenten und ermöglichen auch nicht rein technischen Teams, aktiv an der Gestaltung von KI-Prozessen mitzuwirken. Gleichzeitig müssen Unternehmen jedoch sorgfältig prüfen, wie flexibel, erweiterbar und wartbar eine solche Plattform tatsächlich ist. Neben der schnellen Umsetzung einzelner Anwendungsfälle sollten daher auch Aspekte wie Anbieterabhängigkeit, Kostenkontrolle, Standardisierung, Integrationsfähigkeit und langfristige Architektur berücksichtigt werden. Nur so lässt sich vermeiden, dass ein zunächst komfortables Werkzeug später zu einer technischen und wirtschaftlichen Einschränkung wird.

Vorstellung: Visuelle KI Frameworks

Visuelle KI-Agenten-Plattformen kombinieren klassische Workflow-Logik mit speziell für KI-Anwendungen entwickelten Komponenten. Prozesse werden grafisch modelliert, wobei LLMs, Wissensdatenbanken, Tools und Benutzerinteraktionen direkt integriert werden können. Zudem sind sie oftmals spezialisiert, z.B. auf First-Level-Support Chatbots oder Telefonie.

Im Gegensatz zu klassischen Workflow-Tools stehen nicht nur Systemintegrationen im Fokus, sondern die Steuerung von KI-basierten Dialogen und Agenten.

Zielgruppe
  • Unternehmen mit komplexen Kunden- oder Mitarbeiterinteraktionen
  • KI- und Automatisierungsteams
  • Prozessverantwortliche
  • Automatisierungs- und IT-Teams
  • Unternehmen mit vielen manuellen Abläufen
Typische Tools

Cognigy, ElevenLabs, Flowise, Langflow

Stärken
  • Speziell für KI Workflows programmiert
  • Sehr hoher Integrationsgrad
  • Native Unterstützung für bspw. Voice Gateways, Chat Kanäle, Handover, Agent Escalation
Grenzen
  • siehe Workflow Orchestrierung
  • Oft teuer im Einkauf oder kostenlos aber Wartungsintensiv
  • Oft Code-basierte Erweiterung notwendig
Fazit

Visuelle KI-Agenten-Plattformen sind besonders geeignet, wenn Interaktionen mit Menschen, Sprache oder komplexe Dialogabläufe im Mittelpunkt stehen. Sie schließen die Lücke zwischen einfachen Automatisierungen und individueller Softwareentwicklung. Für hochindividuelle oder stark skalierende Systeme werden sie jedoch häufig durch eigene Code-basierte Komponenten ergänzt.

4. Individualentwicklung

Die Meisterklasse der KI-Agenten wird in der Regel durch Individualentwicklung erstellt. Dabei handelt es sich nicht um einfache Standardlösungen, die lediglich installiert und konfiguriert werden, sondern um maßgeschneiderte Systeme, die exakt auf die Prozesse, Datenquellen, Sicherheitsanforderungen und Ziele eines Unternehmens abgestimmt sind. Solche Lösungen sind heute häufig vor allem größeren Firmen vorbehalten, die über eigene Software-, Daten- und KI-Abteilungen verfügen. In vielen Fällen arbeiten ganze Teams aus Softwarearchitekten, Data Engineers, Machine-Learning-Spezialisten, DevOps-Experten, Fachbereichsvertretern und Security-Verantwortlichen gemeinsam daran, solche Agentensysteme zu planen, zu entwickeln, zu testen und dauerhaft zu betreiben.

Der Grund dafür liegt vor allem in der hohen technischen Komplexität. Eine ordnungsgemäße Umsetzung erfordert ein Maß an Expertise, das deutlich über das Wissen klassischer Softwareentwicklung hinausgeht. Neben soliden Programmierkenntnissen werden Kenntnisse in den Bereichen künstliche Intelligenz, Large Language Models, Datenintegration, Prompt Engineering, API-Design, Automatisierung, Berechtigungsmodelle, Monitoring, Skalierung und IT-Sicherheit benötigt. KI-Agenten müssen nicht nur Antworten generieren, sondern Aufgaben verstehen, Werkzeuge sinnvoll einsetzen, Daten korrekt interpretieren, mit anderen Systemen kommunizieren und in vielen Fällen auch Entscheidungen vorbereiten oder Prozesse anstoßen. Damit dies zuverlässig funktioniert, ist eine robuste technische Grundlage erforderlich.

Oft sind dafür entweder eine große On-Premises-Infrastruktur oder kostenintensive Cloud-Ressourcen notwendig. Unternehmen müssen beispielsweise Kubernetes-Cluster betreiben, um Software skalierbar auszurollen und einzelne Komponenten flexibel verwalten zu können. Hinzu kommen Observability-Stacks, mit denen die bestehende Software überwacht wird. Dazu zählen Logging, Metriken, Tracing und Alerting, damit Fehler, Engpässe oder ungewöhnliches Verhalten frühzeitig erkannt werden können. GitOps-Prozeduren sorgen dafür, dass Änderungen kontrolliert, nachvollziehbar und automatisiert in die jeweiligen Umgebungen übertragen werden. Datenbanken und Vektordatenbanken müssen aufgebaut und gepflegt werden, um Informationen strukturiert zu speichern, durchsuchbar zu machen und den KI-Agenten zur Verfügung zu stellen.

Darüber hinaus werden zahlreiche Adapter und Schnittstellen benötigt, damit die Agenten mit bestehenden Unternehmenssystemen kommunizieren können. Dazu gehören beispielsweise Microsoft Teams, Slack, Outlook, SharePoint, CRM-Systeme, ERP-Lösungen, Ticketsysteme, Dokumentenmanagement-Plattformen oder interne Datenbanken. Jeder dieser Anschlüsse bringt eigene technische und organisatorische Anforderungen mit sich, etwa Authentifizierung, Rechteprüfung, Datenformate, API-Limits und Datenschutzvorgaben. Besonders in regulierten Branchen müssen außerdem Compliance, Auditierbarkeit und Zugriffskontrollen von Beginn an berücksichtigt werden.

Auf dieser Basis lassen sich hochkomplexe Systeme mit mehreren KI-Agenten abbilden, die miteinander kommunizieren, Aufgaben untereinander aufteilen und sich gegenseitig zuarbeiten. Ein Agent kann beispielsweise Informationen aus Dokumenten extrahieren, ein anderer kann diese bewerten, ein weiterer kann Ergebnisse in ein Fachsystem übertragen oder einen Mitarbeitenden über Teams oder Outlook informieren. So entstehen digitale Arbeitsabläufe, die weit über einfache Chatbots hinausgehen. Sie können Prozesse beschleunigen, Wissen aus verschiedenen Quellen zusammenführen und Mitarbeitende bei wiederkehrenden, komplexen oder datenintensiven Aufgaben unterstützen. Genau diese Kombination aus technischer Tiefe, individueller Anpassung und unternehmensweiter Integration macht die Meisterklasse der KI-Agenten so leistungsfähig, aber auch so anspruchsvoll in der Umsetzung.

Vorstellung: Code Frameworks

Code-basierte Agenten-Frameworks ermöglichen die Entwicklung individueller KI-Agenten mit vollständiger Kontrolle über Logik, Datenflüsse und Systemarchitektur. Entwickler nutzen Frameworks, um Komponenten wie Tool-Aufrufe, Memory, RAG, Agenten-Orchestrierung und Modellintegration umzusetzen, während die eigentliche Anwendung als professionelle Software entwickelt wird. Im Vordergrund stehen hier Flexibilität, Wartbarkeit und Integration in bestehende Softwarearchitekturen

Zielgruppe
  • Softwareentwickler
  • KI- und Data-Science-Teams
  • Unternehmen mit individuellen Anforderungen
  • Organisationen, bei denen KI ein strategischer Bestandteil der Softwarelandschaft ist
Typische Tools

LangChain, LlamaIndex, PydanticAI, OpenAI Agents SDK, Google ADK

Stärken
  • Maximale Flexibilität bei Agentenlogik und Geschäftsprozessen Vollständige Kontrolle über Daten, Architektur und Infrastruktur Integration in bestehende Softwaresysteme möglich Unterstützung professioneller Entwicklungsprozesse:
    • Versionskontrolle
    • Code Reviews
    • automatisierte Tests
    • CI/CD Pipelines
    • Monitoring und Logging
  • Einfacherer Austausch von LLM-Anbietern und Modellen Geeignet für komplexe Agentensysteme und langfristig wartbare Lösungen
Grenzen
  • Höhere Einstiegshürde durch notwendige Programmierkenntnisse
  • Längere Entwicklungszeit als bei visuellen Plattformen
  • Höhere initiale Kosten durch Entwicklung und Infrastruktur
  • Erfordert Software-Engineering-Kompetenzen
  • Mehr Verantwortung für Themen wie Sicherheit, Monitoring, Skalierung und Betrieb
Fazit

Code-basierte Frameworks sind die flexibelste Variante zur Entwicklung von KI-Agenten. Sie eignen sich besonders für Unternehmen, bei denen KI tief in bestehende Prozesse und Softwarelandschaften integriert werden soll. Der höhere Entwicklungsaufwand lohnt sich vor allem dann, wenn langfristige Wartbarkeit, Skalierbarkeit und individuelle Anforderungen wichtiger sind als eine möglichst schnelle Umsetzung.

Fazit

Welche Lösung einem Unternehmen den größten Nutzen bringt, hängt stark vom konkreten Anwendungsbereich, dem Reifegrad der Organisation, den vorhandenen technischen Rahmenbedingungen sowie der langfristigen Strategie des Unternehmens ab. Es gibt nicht die eine KI- oder Automatisierungslösung, die für alle Situationen gleichermaßen geeignet ist. Vielmehr sollte im ersten Schritt sorgfältig geprüft werden, welches Ziel erreicht werden soll: Geht es darum, schnell erste Ideen zu testen, interne Prozesse effizienter zu gestalten, bestehende Systeme intelligent miteinander zu verbinden oder eine skalierbare, sichere und langfristig tragfähige KI-Infrastruktur aufzubauen?

Für prototypische Entwicklungen, Proof-of-Concepts oder Situationen, in denen Mitarbeitende einfach einen halbwegs cleveren digitalen Sparringpartner benötigen, sind No-Code- und Low-Code-Plattformen sicherlich häufig das Werkzeug der Wahl. Sie ermöglichen es Fachabteilungen, ohne tiefgehende Programmierkenntnisse erste Anwendungen, Assistenten oder Automatisierungen umzusetzen. Dadurch können Ideen schnell validiert, interne Akzeptanz geschaffen und erste Erfahrungen mit KI-gestützten Arbeitsweisen gesammelt werden. Gerade für Unternehmen, die am Anfang ihrer KI-Reise stehen, bieten solche Plattformen einen pragmatischen Einstieg, weil sie vergleichsweise geringe technische Hürden haben und schnelle Ergebnisse sichtbar machen.

Komplexere Automatisierungen mit sich ändernden Anforderungen sind hingegen prädestiniert für Workflow-Orchestrierung. Das gilt besonders dann, wenn bereits bestehende Systeme wie CRM-, ERP-, Ticketing-, Dokumentenmanagement- oder Datenbanklösungen mit der Orchestrierungssoftware integriert werden können. Workflow-Orchestrierung eignet sich vor allem dort, wo mehrere Schritte, Freigaben, Datenquellen oder Fachbereiche miteinander verbunden werden müssen. Sie schafft Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Stabilität in Prozessen, die ansonsten manuell, fehleranfällig oder schwer skalierbar wären. Wenn Anforderungen wachsen oder sich Geschäftsprozesse regelmäßig verändern, kann eine gut konzipierte Orchestrierung helfen, flexibel zu bleiben und gleichzeitig Kontrolle über Abläufe und Schnittstellen zu behalten.

Visual-AI-Frameworks sind besonders in spezialisierten Gebieten wie Conversational AI von großem Nutzen. Sie bringen häufig bereits viele nützliche Eigenschaften mit, beispielsweise Voice Gateways, Dialogmanagement, Integrationen in Kommunikationskanäle, Monitoring-Funktionen oder Schnittstellen zu Sprach- und Textmodellen. Dadurch lassen sich Chatbots, Voicebots oder intelligente Assistenzsysteme strukturierter entwickeln und betreiben. Besonders in Bereichen wie Kundenservice, interner Support, Wissensmanagement oder telefonischer Vorqualifizierung können solche Frameworks einen erheblichen Mehrwert schaffen, weil sie nicht nur einzelne KI-Funktionen bereitstellen, sondern ganze Kommunikationsprozesse abbilden können.

Individualentwicklung ist besonders für Unternehmen mit einer klaren Datenstrategie nützlich oder immer dann, wenn besonders komplexe Integrationen, spezifische Prozesse oder hohe Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Skalierbarkeit berücksichtigt werden müssen. Sie ist häufig die richtige Wahl, wenn Standardlösungen nicht ausreichen, wenn sensible Daten verarbeitet werden oder wenn KI tief in bestehende Unternehmensprozesse eingebettet werden soll. Eine individuell entwickelte Lösung kann exakt auf die Datenlandschaft, Rollenmodelle, Compliance-Anforderungen und geschäftlichen Ziele eines Unternehmens abgestimmt werden. Dadurch entsteht nicht nur eine technische Anwendung, sondern ein strategisches Werkzeug, das langfristig Wettbewerbsvorteile schaffen kann.

Entscheidend ist daher, die passende Lösung nicht isoliert nach Technologie auszuwählen, sondern immer im Kontext der Unternehmensziele zu betrachten. Ein schneller Prototyp kann der richtige erste Schritt sein, während später eine robuste Orchestrierung oder Individualentwicklung notwendig wird. Ebenso kann ein spezialisiertes Framework dort sinnvoll sein, wo bereits klar ist, dass ein bestimmter Anwendungsfall, etwa Conversational AI, im Mittelpunkt steht. Der größte Nutzen entsteht, wenn Strategie, Daten, Prozesse, Technologie und Menschen sinnvoll zusammengeführt werden.

Julius Haring – Data Analytics begleitet Unternehmen bei jedem Schritt ihrer KI-Strategie: von der Einführung einfacher No-Code-Tools über die Entwicklung erster Proof-of-Concepts bis hin zur Konzeption unternehmensweiter KI- und Datenstrategien. Dabei steht nicht nur die Auswahl geeigneter Technologien im Vordergrund, sondern auch die Frage, wie KI nachhaltig, sicher und wertschöpfend in bestehende Strukturen integriert werden kann. So werden aus ersten Ideen tragfähige Lösungen, die im Unternehmensalltag echten Nutzen stiften.

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